„Dorothee-Fliess-Preis für Widerstandsforschung“ 2012 vergeben

preis 5In Erfüllung der testamentarischen Auflage der Stifterin Prof. Dr. Beate Hermelin vergab die Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944 zum zweiten Mal seit der Gründung des „Dorothee-Fliess-Fond“ im Jahr 2008 den mit EUR 10.000 dotierten „Dorothee-Fliess-Preis für Widerstandsforschung“. Die Verleihung des Preises fand am 25. Februar 2012 im Rahmen der XXV. Königswinterer Tagung im Adam-Stegerwald-Haus in Königswinter statt.

Der Preis wurde in zwei Teilen zu jeweils EUR 5.000 vergeben.

Die Preisträger sind: Frau Dr. Antje Vollmer
und  Frau Dr. Veronika Diem.

 Dr. Christoph Studt begründete die Verleihung des Preises an Frau Dr. Veronika Diem:


preis 3Frau Diem wird der „Dorothee-Fliess-Preis für Widerstandsforschung“ für ihre 2010/11 am Institut für Bayerische Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München eingereichte Dissertation verliehen, in der sie die Geschichte der Freiheitsaktion Bayern (FAB) behandelt.

Diese bayerische Widerstandsbewegung setzte sich im Kern aus etwa 440 Wehrmachtssoldaten zusammen und wagte in München kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs einen Aufstand gegen die NS-Machthaber. Dabei gelang es den Aktivisten, für einige Stunden den wichtigsten Rundfunksender bei München zu besetzen. Ihren von dort ausgestrahlten Aufrufen folgten fast tausend Menschen im Gebiet zwischen Lech, Donau und Inn, um ihre jeweiligen Stadtviertel oder Gemeinden vor weiteren Kriegsauswirkungen und nicht zuletzt dem NS-Terror zu schützen. Diese Menschen waren bereit, das hohe Risiko einer direkten Konfrontation mit den angesichts der bevorstehenden Niederlage zunehmend rücksichtslos agierenden NS-Kräften auf sich zu nehmen. Nachdem deutlich wurde, dass der Aufstand in München gescheitert war, kam es an etlichen Orten zu willkürlichen Hinrichtungen durch NS-Anhänger, denen 57 Menschen zum Opfer fielen. Auch wenn der Aufstand der Freiheitsaktion Bayern fehlschlug und die Aktionen den Kriegsverlauf nur punktuell beeinflussen konnten, handelte es sich um einen mutigen Akt des Widerstands, der nicht zuletzt auf Grund der fehlenden wissenschaftlichen Forschung bisher eher verhalten rezipiert wurde.

Diese Aufarbeitung hat Veronika Diem jetzt geleistet: In ihrer Arbeit erforscht die Historikerin die Entstehung und Zusammensetzung der beteiligten Gruppen, den Aufstand selbst, seine Folgen sowie die Nachkriegsrezeption der Freiheitsaktion Bayern. Sie recherchierte dafür in rund 40 Archivbeständen u.a. in München, Freiburg, Berlin, London, Washington D.C. und trug bisher unbeachtete Quellen zusammen. Durch ihre intensive Forschung gelang es erstmals, belastbare Angaben hinsichtlich der Beteiligten zu erheben, konkrete Abläufe zu rekonstruieren und zahlreiche, bisher bestehende Unschärfen auszuräumen.

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Lesen Sie die Laudatio von

Prof. Dr. Ferdinand Kramer, München.

Hier die Erwiderung von
Frau Dr. Veronika Diem

 

 

 

 

 

Frau Dr. Antje Vollmer konnte aus terminlichen Gründen den Preis leider nicht entgegennehmen. Die Preisverleihung wird deshalb nach terminlicher Abstimmung zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt

Der „Dorothee-Fliess-Preis für Widerstandsforschung“ wird ihr verliehen für die  2010 erschienene Doppelbiographie mit dem Titel: „Doppelleben – Heinrich und Gottliebe von Lehndorff im Widerstand gegen Hitler und von Ribbentrop“.

Im Schloss Steinort der Familie von Lehndorff, unweit des Hauptquartiers des Heeres „Mauerwald“ sowie des Führerhauptquartiers „Wolfsschanze“ in Ostpreußen gelegen, hatte sich in einem Flügel links vom imposanten Treppenaufgang der Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop einquartiert.  Die Familie des Gutsherren und Ordonnanzoffiziers Heinrich Graf von Lehndorff bewohnte den rechten Flügel des Schlosses und entwickelte ein Doppelleben. Durch den Kontakt zu von Ribbentrop und seinem Stab einerseits und als Treffpunkt für die Verschwörer des späteren 20.Juli 1944 andererseits entwickelte sich auf Schloss Steinort  ein hochgefährlicher konspirativer Informationsaustausch.
Antje Vollmer ergründet, wie verbrecherische Menschen denken, denn: „Anders kommt man nicht an den Punkt, um ihr System aufzubrechen“, und hält die Erinnerung wach an einen mutigen Widerständler und seine Familie.

Die evangelische Theologin mit  einer Promotion zum Dr. phil. wurde 1983 erstmals Mitglied des Deutschen Bundestages und bekleidete von 1994 bis 2005 das Amt der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Die Publizistin ist Trägerin des „Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland“ und erhielt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen.

Laudatortor wird Dr. Christoph Studt, Bonn, sein.